„Hand halten ist wichtiger als Medizin“ - Martina Fehlner lud zu einer Dialogveranstaltung über Entscheidungen am Lebensende

17. April 2015 | Gesundheitspolitik

„Hand halten ist wichtiger als Medizin“ - mit diesen Worten plädierte der Facharzt für Allgemein- und Palliativmedizin Dr. Erich Mützel aus Goldbach dafür, einen Menschen beim nahenden Tod nicht sich selbst und der (Apparate-) Medizin zu überlassen. Im gut besuchten Gemeindehaus Maria Geburt in Aschaffenburg- Schweinheim diskutierten Bettina Müller, Bundestagsabgeordnete und Berichterstatterin der SPD-Fraktion zur Hospiz- und Palliativversorgung, Dr. Erich Mützel, Dr. Ulrich Glaser, Klinikseelsorger und Vorsitzender des Caritasverbandes Aschaffenburg Stadt und Land, Dr. Max Strüder, Vorsitzender der Hospizgruppe Aschaffenburg sowie Irmgard Fliedner auf Einladung der Landtagsabgeordneten Martina Fehlner und des SPD-Ortsvereins Aschaffenburg Schweinheim-Gailbach über die Themen Sterbehilfe, Sterbebegleitung und Palliativmedizin.

Die in diesem Jahr anstehenden Entscheidungen des Bundestages über Regelungen zur Sterbebegleitung, aber auch zur Hospiz- und Palliativversorgung, bildete den Ausgangspunkt des Meinungsaustausches. Drei fraktionsübergreifende Gruppenanträge liegen zurzeit vor. Sie decken ein breites Spektrum von Alternativen ab, vom strikten Verbot der Sterbehilfe bis hin zur grundsätzlichen Erlaubnis eines ärztlich assistierten Suizids sowie dem Ausbau der Palliativmedizin. Dabei stehen die Fragen „Was ist lebenswertes Leben?“ oder „Wann kann eine seriöse Entscheidung getroffen werden?“ sowie „Darf eine Tötung auf Verlangen durchgeführt werden – und von wem?“ im Mittelpunkt der Diskussion. Ein gesamtgesellschaftliches Thema, das breit und intensiv diskutiert werden muss, bevor am Ende eine politische Entscheidung steht.

Bettina Müller hat vor allem das Anliegen, dass keine Sterbehilfe gegen Entgelt geleistet werden darf. Dafür will sie sich mit anderen Abgeordneten einsetzen. Vor dem Hintergrund der steigenden Zahl älterer Menschen in Deutschland hält sie den Aus-bau der Palliativ- und Hospizversorgung für besonders dringlich. Auf Nachfrage aus dem Zuhörerkreis gab Müller aber auch der Sorge Ausdruck, dass der finanzielle Spielraum dafür nicht unbegrenzt sein werde.

Auch Martina Fehlner sprach sich für eine bessere Versorgung für sterbende Menschen aus: „Wir dürfen ältere Menschen nicht länger als Kostenfaktor betrachten. Sollen ältere und kranke Menschen sich dafür rechtfertigen müssen, dass sie noch leben wollen? Was sind uns ältere Menschen wert? Diese Fragen müssen politisch und gesellschaftlich beantwortet werden!“ Die Abgeordnete möchte gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen der SPD-Landtagsfraktion vor allem den Ausbau von Hospizen, ambulanten Hospizdiensten und Palliativstationen voranbringen – nicht zuletzt auch im ländlichen Raum. Alle Gesprächsteilnehmer gaben aus ihrer Erfahrung im Umgang mit dem Lebens-ende der ihnen anvertrauten Menschen einen sehr anschaulichen und auch einfühlsamen Einblick in die damit einhergehenden Fragen wie z.B. Möglichkeiten der Linderung von Schmerzen und somit der Verbesserung der Lebensqualität, die Unterschiede von aktiver und passiver Sterbehilfe bzw. Beihilfe zum Sterben oder etwa die Problematik unsinniger Therapien.

Die Diskussion brachte auch kontroverse Standpunkte zutage. Ausschließlich lobende Worte ernteten jedoch die Palliativstationen und Hospizgruppen. Für Dr. Ulrich Graser sind sie ein Ort für die innere Ruhe der Patienten. Außerdem gebe es genügend Zeit für Gespräche. Dr. Max Strüder erläuterte den Zuhörern den Hospizauftrag, sah im Übrigen die derzeitige Versorgung in der Region Untermain als „ganz gut“ an.

Irmgard Fliedner, die ihren an ALS erkrankten Mann beim Sterben begleitet hat, ermunterte die Zuhörer aus eigener Erfahrung dazu, letzte Lebensfragen rechtzeitig mit dem Partner und der Familie zu erörtern und sich zu trauen, professionelle Hilfe zu suchen und anzunehmen.

Am Ende der Veranstaltung tauschten sich Besucher und Podiumsteilnehmer u.a. über Ausbildung, Arbeitsbedingungen und Bezahlung im Pflegebereich aus.

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